La Ruade, 1966, Öl auf Leinwand, 129 x 162 cm

 

Bereits 1961 stellte Hanna Bekker vom Rath die französische Malerin Hélène de Beauvoir (1910-2001) aus – und damit als erste Galerie in Deutschland. Gemälde der Künstlerin befinden sich heute im Musée de la Moderne, Paris, und Museen in Pittsburgh, Regensburg, Strasbourg und Lausanne.

Hélène de Beauvoir begann Ende der 20er Jahre ihre künstlerische Ausbildung an den Pariser Kunstakademien Colarossi, Grande Chaumière, Académie Scandinave und der École d’Art et Publicité. Damals gehörte sie dem Kreis um ihre Schwester Simone und Jean-Paul Sartre an. Die zwei Jahre ältere Schwester, in fester Anstellung als Lehrerin, bezahlte ihr das Atelier. Als Gegenleistung tippte Hélène die Manuskripte Simones und die Jean-Paul Sartres. Oft zitiert wird die Begegnung mit Picasso, der beim Besuch ihrer ersten Einzelausstellung 1936 in der Pariser Galerie Bonjean die „Eigenständigkeit“ ihrer Malerei lobte. Frühe Reisen führten sie nach Spanien und zu den großen Kunstsammlungen Italiens. 1942 heiratete Hélène den Kulturattaché Lionel de Roulet, einen ehemaligen Schüler Sartres, den sie 1933 kennengelernt hatte. Mit ihm führte sie fortan ein „bürgerliches“ Leben, was ihr kritische Worte der Schwester einbrachte. Es folgten Umzüge nach Wien, Belgrad, Casablanca, Mailand und über Paris schließlich 1963 nach Goxwiller im Elsass, wo sie bis zu ihrem Tod lebte. Sie stellte in den siebziger Jahren weltweit aus, u.a. in Tokio, Boston und New York. In Philadelphia hielt sie 1983 einen Vortrag über „Die Rolle der Frau in der Gesellschaft am Beispiel der Malerin“. Sie ist bis 1983 Präsidentin des 1978 gegründeten Centre Flora Tristan für misshandelte Frauen und Jugendliche.

Hélène de Beauvoir, die von sich sagte, dass sie lange vor ihrer Schwester Feministin gewesen sei, engagierte sich für Frauenrechte, gegen soziale Benachteiligung und für Umweltthemen. Darin fand sie auch Motive für ihr malerisches Werk. Weiterhin entstanden Landschaften, die zumeist von Gegenständen oder Personen belebt sind, aber auch graphische Folgen wie 1928 eine Serie von Holzschnitten zu Oscar Wildes „The Selfish Giant“. In ihrem Werk setzte sich die Künstlerin mit den Kunstströmungen des 20. Jahrhunderts auseinander, mit dem Kubismus und der Abstraktion, mit dem von Robert Delaunay begründeten Orphismus, dessen kreisende Formen sich bei Beauvoir in kristalline Facettierungen des Bildinventars auflösen. Das Zusammenspiel von verschiedenen Malstilen in den Bildern der späten sechziger und siebziger Jahre wirkt heute überraschend aktuell.