OSKAR KOLB

Reduktion III, 1975, Öl auf Leinwand, 110 x 90 cm, signiert
Ohne Titel, 1979 Öl auf Leinwand, 115 x 100 cm
Ohne Titel, 1972, Öl auf Leinwand, 111 x 95,5 cm, signiert und datiert
Ikarus, 1998, Öl auf Leinwand, 85,5 x 95 cm, signiert und datiert
Tanzende Formen, 1960, Öl auf Hartfaser, 80 x 100 cm, signiert und datiert
Orakel, 1962, Öl auf Hartfaser, 80 x 99 cm, signiert und datiert
Oskar Kolb
Poldrom, 1971, Öl auf Leinwand, 100 x 80 cm, signiert und datiert
Ohne Titel, 1979, Öl auf Leinwand, 115 x 100 cm, signiert und datiert
Bellevue, 1960, Öl auf Leinwand, 85 x 48 cm, signiert und datiert
Ohne Titel, 1964, Öl auf Leinwand, 100 x 85 cm, signiert und datiert
Konstruktiv, 1956, Öl auf Hartfaser, 80 x 99 cm, signiert und datiert
Oskar Kolb
Pastorale, 1968, Öl auf Leinwand, 59 x 98 cm, signiert und datiert

Oskar Kolb

Oskar Kolb

(1923 Weiler Rehmen – 1998 Wiesbaden)

 

14. November 1923: Geboren in Weiler Rehmen (Ratzenried/Allgäu)
Vor 1945: Künstlerische Ausbildung in Wangen im Allgäu
Nach 1945: Meisterschule des Malerhandwerks, Reutlingen
1945: Heirat mit Gerdi Lieglein
Ab 1949: Freischaffender Künstler in Wiesbaden
Ab 1954: Mitglied der „Künstlergruppe 50“, Wiesbaden
1950er–1980er: Leiter der Abteilung Malerei an der Werkkunstschule Wiesbaden
Professor im Fachbereich Gestaltung, Fachhochschule Wiesbaden (Hochschule RheinMain)
1981–1990er: Leiter Fachbereich Kunstbetrachtung, Freie Kunstschule Wiesbaden
24. September 1998: Gestorben in Wiesbaden

 

Oskar Kolb gilt als einer der prägenden Akteure der deutschen Nachkriegsabstraktion. Mit seiner Teilnahme an der geschichtsträchtigen Pariser „Biennale 57“ (Jeune Peinture – Jeune Sculpture) im Palais de Marsan (Louvre) fand sein Schaffen bereits in den 1950er-Jahren Anschluss an die europäische Nachkriegsavantgarde. Kolb prägte über Jahrzehnte hinweg maßgeblich die rhein-mainische Kunstszene und wurde 1984 als erster bildender Künstler mit dem Kulturpreises der Landeshauptstadt Wiesbaden ausgezeichnet.

Als Maler, Grafiker und einflussreicher Hochschulpädagoge vollzog er in seltener Konsequenz den Übergang von der gegenständlichen Tradition zu den radikalen Konzepten der Abstraktion: Das Frühwerk Kolbs aus der zweiten Hälfte der 1940er-Jahre ist noch von einer intensiven Auseinandersetzung mit Landschaften, Interieurs und Stillleben geprägt. Stilistisch changieren diese frühen Arbeiten zwischen Impressionismus und Expressionismus und lassen formale Bezüge zum Werk von Carl Schuch erkennen. Bereits zu Beginn der 1950er-Jahre setzte jedoch eine fortschreitende Abstraktion des Gegenständlichen ein.

Es folgte eine streng konstruktive Phase, in der Kolb seine Kompositionen architektonisch aufbaute und mit geometrischen Formen, präzisen Linien und definierten Flächen arbeitete. Diese geometrische Strenge mündete schließlich in eine lyrisch-abstrakte und informelle Phase, die Kolbs reifes Spätwerk definiert. Hier befreite sich die Farbe vollends von der abbildenden Funktion: Durchdrungen von den Kunsttheorien Adolf Hölzels sowie den Lehren des Bauhaus, kreierte Kolb komplexe, großformatige Bildkompositionen. Seine Werke leben von Rhythmen, Flächenstrukturen und musikalischen Analogien, was nicht zuletzt an Werkprozess-Titeln wie Allegro maestoso sichtbar wird. Das Spätwerk balanciert zwischen sensiblen Farbverläufen in den Aquarellen und volltönenden, mal dunkel-meditativen, mal intensiv-leuchtenden Farbklängen auf Leinwand und anderen Bildträgern.

Neben seiner freien künstlerischen Arbeit war Kolb ein einflussreicher Vermittler moderner Kunsttheorie. Nach einer Malerausbildung bei O. Briegel in Wangen im Allgäu (Kirchenausmalung und Restaurierung), dem Militärdienst und dem Besuch der Reutlinger Meisterschule des Malerhandwerks führte ihn sein Weg dauerhaft nach Wiesbaden. An der dortigen Werkkunstschule avancierte er vom Studenten der Abendkurse zum Assistenten von Vincent Weber und schließlich zum Leiter der Abteilung Malerei. Nach der Überführung der Institution in die Fachhochschule Wiesbaden im Jahr 1971 lehrte Kolb dort bis 1980 als Professor im Fachbereich Gestaltung. Von 1981 bis in die 1990er-Jahre hinein leitete er zudem den Fachbereich Kunstbetrachtung an der Wiesbadener Freien Kunstschule (wfk).

Kolbs Verständnis von Raum, Harmonie und Maß führte ab den 1950er-Jahren zu zahlreichen Realisierungen im Bereich der Umweltgestaltung und der Kunst am Bau:

1957: Mitarbeit bei Vincent Weber an den Glasfenstern der Friedrich-List-Schule, Wiesbaden.
1960: Mosaikarbeiten im Eingangsbereich der Turnhalle der Oranienschule.
1963: Fassadengestaltung (Symbolisierung des pythagoreischen Lehrsatzes) für die Adalbert-Stifter-Schule.
1969: Malerische Konzeption einer Lern- und Spielwand in der Comeniusschule.

Kolbs überregionale Bedeutung spiegelt sich in seiner frühen Einbindung in internationale Ausstellungsformate wider. Bereits 1954 trat er der renommierten „Künstlergruppe 50“ bei. Bildungsreisen nach Frankreich, Italien und Russland erweiterten seinen künstlerischen Horizont. Ein frühes Highlight seiner internationalen Rezeption war die Teilnahme an der geschichtsträchtigen „Biennale 57“ (Jeune Peinture – Jeune Sculpture) im Palais de Marsan / Louvre in Paris im Jahr 1957.

Mit seinen Werken ist Kolb heute in zahlreichen privaten und öffentlichen Sammlungen vertreten, unter anderem in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus München sowie in der Artothek Wiesbaden, die über einen Zeitraum von drei Jahrzehnten hinweg Arbeiten des Künstlers ankaufte.

Sein Schaffen wurde postum durch große Retrospektiven gewürdigt, darunter im Nassauischen Kunstverein Wiesbaden (1999/2000), im Rahmen einer Ehrenausstellung der Artothek Wiesbaden (2008) sowie in der umfassenden Werkschau „Klang des Geistes“ der Wiesbadener Freien Kunstschule im Jahr 2013.

Die Galerie Hanna Bekker vom Rath vertritt den Künstler Oskar Kolb und zeigt seine Werke regelmäßig in Ausstellungen wie den KABINETTSTÜCKEN 2025 mit Werken von Doro Koidl, Oskar Kolb, Robert Klümpen, Ernst Weil und anderen.

Ausstellungen (Auswahl)

Ab 1954: Regelmäßige Gruppenausstellungen im Rahmen der Künstlergruppe 50 (Frankfurt, Wiesbaden, Allgäu)
1957: „Biennale 57“ Paris, „Jeune Peinture – Jeune Sculpture“ im Palais de Marsan, Louvre
1999–2000: „Oskar Kolb / Retrospektive“, Nassauischer Kunstverein Wiesbaden (kuratiert von Dr. Isolde Schmidt und Inge Naumann)
2013: „Große Retrospektive zum 90. Geburtstag von Oskar Kolb“, Ateliers der Wiesbadener Freien Kunstschule (wfk)
2025: Kabinettstücke, Galerie Hanna Bekker vom Rath

Kataloge & Publikationen

Klang des Geistes: Die Wiesbadener Freie Kunstschule präsentiert die 50-jährige Schaffensperiode von Oskar Kolb.

Ausstellungskatalog der wfk (2013): Zur Retrospektive der Wiesbadener Freien Kunstschule erschien ein limitierter, umfassender Katalog. Er enthält sämtliche Exponate, eine Biografie, einen Text von Michael Becker sowie Gedichte und eine historische Ansprache von Oskar Kolb aus dem Jahr 1986.

wfk Wiesbaden – Ausstellungsarchiv

Monografie / Katalog „Oskar Kolb“: Mit Texten von Oskar Kolb, Dr. Bruno Russ und Dietrich Groos. Softcover, 21 x 21 cm, 32 Seiten, illustriert, herausgegeben vom Nassauischen Kunstverein Wiesbaden.

Nassauischer Kunstverein Wiesbaden – Publikation

Künstlergruppe 50: Vertreten in den verschiedenen Jubiläums- und Übersichtskatalogen der Künstlergruppe 50.

Online-Links & Sammlungen

Lenbachhaus München (Sammlung Online): Städtische Galerie im Lenbachhaus – Oskar Kolb

WFK Wiesbaden: Wiesbadener Freie Kunstschule – Dokumentation